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TEE1055

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28.01.2017, 23:08

Ich möchte nochmals Richtung Südosten gehen und ein Kapitel m.M. besonders interessanter Wirtschaftsgeschichte präsentieren. Dies sowohl beim Vorbild als auch beim Modell(-Hersteller). Der Aufhänger bildet das Wagenset 51003 der leider nicht lange aktiv gewesenen deutschen Modellbahnfirma AlphaTrains. Es enthält 3 Reisezugswagen der OSE, die Modelle wurden damals bei Modern Gala hergestellt. Bereits zuvor hat Heris die selben Modelle aus anderen Formen produziert und in Vierersets angeboten. Und dies bei einem absolut exotischen Vorbild, welches unter normalen Bedingungen keine Chance auf eine Modellreproduktion gehabt hätte. Das Set enthält die zwei Wagenkastenbauformen, 1x ABmhe und 2x Bmhe mit aufgedruckten Routentafeln Athen-Lamia-Stylida (Stichstrecke ab Lianokladi). Diese Zeiten sind bei der grossen Bahn auch vorbei, ein Stadler-GTW erledigt heute die Bedienung der Nebenlinie.







Die Vorbilder wurden in nur 20 Exemplaren Ende der 1980er-Jahre von der traditionsreichen Schiffswerft Hellenic Shipyards (eine der grössten am Mittelmeer) in Zusammenarbeit mit Waggonbau Bautzen gebaut. Unklimatisiert und weitgehend nach DDR-Entwürfen, wirkten diese Wagen schon bei Ablieferung wie aus einer anderen Zeit. Die SBB erhielt damals die EC-Wagen! Es war die letzte Zusammenarbeit mit dem untergehenden Ostblock, dessen Rollmaterialexporte auch mit Oliven und Kartoffeln bezahlt werden konnten. Durch den Wegfall dieses Geschäftsmodells entwickelte sich in Griechenland eine bemerkenswerte Rollmaterialindustrie. Heute sind diese Wagen noch als Reservefahrzeuge und für Sonderfahrten im Einsatz. Das liegt auch daran, dass der Fahrplan im Zuge der Finanzkrise zusammengestrichen werden musste.
Ein Foto aus besseren Zeiten (1996) hinter der noch nicht modernisierten A 465. Das Bild leidet etwas unter dem bereits früher erwähnten Belichtungsfehler.



Die Nachfolger der Wagen kamen ab 2004 in Form einer SGP/Siemens-Entwicklung, basierend auf ÖBB-Wagen. Es ist nach meinem Wissenstand die europaweit einzige nach dem Jahr 2000 hergestellte klassisch-komplette Reisezugswagenfamilie (ausg. Schlafwagen) für den hochwertigen (inter-)nationalen Verkehr! Prototypen der Wagen wurden in Dunakeszi in Ungarn hergestellt, die Serie teilten sich Hellenic Shipyards und Nik. Kioleidis, weshalb die Wagen auch als "Kioleidika" bezeichnet werden. Sie bilden heute das Rückgrat des verbliebenen IC-Verkehrs in Griechenland und Richtung Bulgarien. Leider ist die äussere Erscheinung der Wagen sehr heruntergekommen, die Schmierereien werden nicht mal mehr anlässlich von Revisionen entfernt. Das ist besonders ärgerlich, weil der Anstrich der Wagen sehr gefällig wäre und als Vorbild für die Modellnachbildung wesentlich attraktiver als die Vorgängerfahrzeuge.

Der Speisewagen:



Der Gepäck-/1 Kl.-Wagen. Mit Werbefolien des Elektrizitätsversorgers DEI wurde versucht, dem Schmierkiddie-Problem beizukommen. Mit beschränktem Erfolg, wie man sieht. Diese beiden Bilder entstanden anlässlich einer Führung im Athener Betriebwerk Agios Ioannis Rentis.



Und das waren noch die ansehnlichsten zwei Wagen.
Hellenic Shipyards wurde nach Deutschland und Abu Dhabi verscherbelt, die Firma hat nicht einmal eine Website. Kioleidis dagegen schon: http://www.kioleides.com/templates/main/main.php?languageID=

PS: Hellenic Shipyards wurde hierzulande durch die Endmontage von Stadler-GTW bekannt.
E Gruess

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TEE1055

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05.02.2017, 17:31

Der französische Draisinenklassiker DU 65 wurde vor wenigen Jahren von REE als Modell realisiert. Es gibt sie im Vorbild in allen möglichen Varianten, ähnlich dem schweizerischen Tm II. Zum Vorbild kann ich nicht viel sagen, es dürften immer noch einige im Einsatz sein, u.a. mit Schneepflügen. Vor rund 6-10 Jahren konnte ich bei meinen alten Arbeitgeber einige schöne Arbeitseinsätze im Südfranzösischen Embrun verbringen, dabei entstand dieses Bild einer DU 65 mit Rollwagen, wofür Trichterkupplungen vorhanden waren:



Das gute Modell sieht so aus:



Man beachte die Gravuren am Fahrwerk. Die Scheinwerfer sind beleuchtet!
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Dumeng

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09.02.2017, 21:34

Der Herr Aebi hat geliefert!
eine ND2, ein S12 Caboose und ein Tank Wagen... die Chinesische Fraktion wird grösser!
und Morgen soll das Packet von meinem Hong Kong Höcker eintreffen... noch mehr CR Zeug mit wirren Namen
das Wochenende wird spannend...

Dumeng

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14.02.2017, 22:58

Die Chinaware ist speziell... speziell Teuer und speziell Schlecht... China-Edelschrott... es funktioniert nichts.
Die Wagen sind erstmal zerlegt und warten auf Teile. (nicht die von Bachmann, die Bachmänner funktionieren einwandfrei)

Einer davon ist ein Tankwagen der Firma Xing-Xing (steht auf der Schachtel) oder Orangutan (steht im Internet) oder N27, steht auch im Internet... wahrscheinlich wird nach jedem Produktions-Batch der Name gewechselt um Spuren zu vertuschen...

Was ich aber noch nie an einem HO Modell gesehen habe:


Die Achse hat ein Zapfenlager mit einer Lagerschale und auf den Zapfen den Lagerdeckel aufgedrückt, der dreht sich dann tatsächlich mit dem Rad!

(und ja, der Dreck und die Schmiere ist Original-Werksauslieferung, das Radsatz innenmass ist 15,5mm, massstäblich für Russische Breitspur)

TEE1055

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07.04.2017, 16:28

Diese mitdrehenden Lager gibt es auch bei einigen neueren US-Güterwagen. Ist absolut vorbildgerecht.

Vor bald zehn Jahren brachte Hornby-Electrotren ein Modell der ersten Nachkriegs-Grossdiesellok aus französischer Produktion. Es ist bis heute eines der besten SNCF-Modelle aus dieser Küche. Perfekter Formenbau, Zahlreiche separate Details, plastische Drehgestellblenden. Was für ein Kontrast zur missratenen CC 7100. Daran hatten auch unsere westlichen Kollegen nichts auszusetzen. Einziger kleiner Mangel: Beim Kühler-Abdeckgitter auf dem Dach fehlten die Querstreben. Ein Ätzteil von SMD schaffte schon bald Abhilfe.

Auch das Vorbild war äusserst erfolgreich: Beschafft zur Ablösung der Dampftraktion auf der grossen Pariser Ringbahn, waren einige von ihnen noch vor kurzem bei Baufirmen im Einsatz. Diese Lokomotiven leisteten einen wesentlichen Beitrag zum Bau sämtlicher TGV-Neubaustrecken.

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07.04.2017, 22:39

PS: Hellenic Shipyards wurde hierzulande durch die Endmontage von Stadler-GTW bekannt.
...ja und auch durch die Rücklieferung von Teilen und der so nicht vorgesehenen Endmontage der Antriebsmodule bei Bombardier Pratteln. Die Lernenden hatten Spass an den griechischen Schildern der Apparatebeschriftung... Auf jeden Fall lieferten sie damals perfekte Qualität ab!
Gruss Christian

Meine Fotos; Eisenbahnen (Schwerpunkt Gotthard) und Dampfschiffe: https://www.flickr.com/photos/134896793@N03/ - aktuelles Avatarbild zu Ehren der Gotthard IR

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07.04.2017, 23:18

Dem ist so, Christian.

Da ich im Moment für eine geplante Modellnachbildung die Geschichte der OSE-GTW recherchiere, bin ich ebenfalls auf diese Tatsache gestossen. Dennoch werden diese in griechischen Internetforen als "built by HSY" bezeichnet. Das ist somit leicht übertrieben. Die Firma hätte gemäss ursprünglicher Planung 20% zum Projekt beisteuern sollen. Falls du eine Quelle für Anschriftenfotos im Auslieferungszustand hättest, wäre ich dankbar. Meine Suche hat bislang nicht zum Erfolg geführt.
E Gruess

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30.04.2017, 16:09

Bei den Chinesen sind noch ein paar 6 Achsige Dieselloks dazu gekommen...

CR DF3
https://en.wikipedia.org/wiki/China_Railways_DF
1958 die erste in China hergestellte Diesellok, stammt von der Russischen TE3 Lok ab, fast 1000 Stück wurden hergestellt und auch nach Vietnam exportiert.


CR ND2
https://en.wikipedia.org/wiki/China_Railways_ND2
Wurde ab 1974 gebaut, stammt von der 060DA ab die von Sulzer/BBC/SLM für die Rumänische Staatsbahn CFR gebaut wurde.
Die 060DA wiederum ist mechanisch ähnlich der Ae 6/6. Muss sich für die Schweizer gelohnt haben, 6 Stück wurden gebaut, dann für 10 weiter Teile geliefert.

Bis 1993 wurden 2496 Exemplare ausgeliefert. Empfänger waren die CFR (1476), private rumänische Bahnen (160) sowie die Staatsbahnen in Polen (420 – BR ST43), Bulgarien (130) und China (379). Noch heute verkehren Lokomotiven dieses Typs in Rumänien, Deutschland, Italien, Spanien, Polen, Bulgarien, Iran und China. Alles "Lizenzbauten" (?)

(Die KEG 2114 ist so eine ex CFR Lok)


CR DF11G
https://de.wikipedia.org/wiki/CR-Baureihe_DF11
Ab 1992 gebaut


Der Versuch mit Tageslicht ist nur mässig gelungen, die Kontraste und Schattenwürfe sind viel zu stark, die Laufwerke saufen ab und lassen sich nicht mal mit kräftigem Einsatz von Lightroom retten...

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Dumeng« (30.04.2017, 16:19)


ginne2

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69

30.04.2017, 17:16

Aber sehr schön, dass man auch mal solche "Exoten" zu sehen bekommt. Danke!!! :) :)
Gruss Günther

Dumeng

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70

14.05.2017, 17:54

Nochmal die CR DF3....
Das erste Foto mit Tageslicht, das zweite Foto mit Kunstlicht (Blitz)


Mit Blitz sind die Details etwas besser, dafür ist der Hintergrund zu flach ausgeleuchtet, das hat noch Potenzial... und der Hintergrund ist mir zu Unruhig, da muss was anderes her.

SNCF Baureihe 68000
Baujahr ab 1963, hat einen Motor von Sulzer, also auch etwas von hier. Speziell ist das Drehgestell, in jedem davon sind 2 Achsen mit je einem Motor angetrieben, die mittlere Achse ist nicht angetrieben.

Modell von Roco

Deutsche Reichsbahn BR 119
Baujahr ab 1976. Ein Musterbeispiel für die Planwirtschaft in den sozialistischen Bruderstaten... die ersten 28 Stück waren sozusagen Handgeschnitzt. Der hohe Schadbestand dieser Baureihe sorgte schnell dafür, dass die Fahrzeuge als U-Boot (wegen der runden Maschinenraumfenster und weil sie so oft in den Werkstätten abtauchte) oder gar verspottend als Karpatenschreck und Ceausescus Rache bezeichnet wurden. (Das ganze Desaster ist im verlinkten Wikipedia Artikel nachzulesen)

Modell von Brawa, mit etwas Zuwendung und Farbe an dem Stossbalken ein äusserst atraktives Modell.

Voith Maxima 40 CC
Baujahr ab 2006, zum Zeitpunkt ihrer Indienststellung war sie die weltweit stärkste einmotorige sechsachsige dieselhydraulische Lokomotive.
Damit hat es sich mit den guten Seiten... die Lok war zwar technisch sehr gut und ohne grössere Kinderkrankheiten und sollte der Einstieg von Voith in den Lokomotivmarkt werden. Tja... gerade mal 20 Stück wurden gebaut, keiner wollte sie kaufen, Die Marktanlyse war wahrscheinlich schon damals mit "alternaiven Fakten" durchsetzt. Das Ganze ist hier nachzulesen...


Das Modell ist von Sächsische Waggonfabrik Stollberg, Technisch ebenso Brilliant wie das Original. Die Drehgestelle sind über Kardanwellen auf Achshöhe Angetrieben und über Flexicoil Federn mit dem Chassis verbunden, ist mir so noch nie bei einem Modell begegnet.

Bleibt dem Modell Hersteller einen besseren kommerzieller Erfolg als dem Original zu wünschen.

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14.05.2017, 19:10

Tja, die Voith Maxima ist dermassen hässlich - kein Wunder, dass sie praktisch unverkäuflich war. Dass die Design-Firma für die Idee, die Frontgestaltung einfach durch schräges Abschneiden des Querschnittprofils einen Preis erhalten hat, zeigt mir völlig nichtvorhandenes Schönheitsempfinden der Jury. Aber das ist heutzutage nichts Neues. In der Nachkriegszeit lautete ein geflügeltes Designersprichwort: "Hässlichkeit verkauft sich schlecht."

Manchmal - leider viel zu selten - gilt das heute noch. Glücklicherweise. :D
Gruss Roger

78 grüne Ae 6/6

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14.05.2017, 20:32

Das ist ein interessanter Mix, Dumeng.

Ein paar Ergänzungen kann ich noch anbringen: Bei den SNCF A1A A1A gab es zwei Serien, und zwar die 68000 mit Sulzer-Motor und die von dir im Modell abgebildete 68500 mit einem AGO V12 DSHR Motor. Lautmalerisch an die Achsfolge angelehnt werden die Loks in Frankreich als Yaya benannt.

Die Maxima ist für mich eines der im technischen Sinne absolut tollsten in 1:87 umgesetzten Lokmodelle. Ich finde sie zwar auch nicht schön und zudem für mein Sammelthema zu modern, aber das Modell musste ich eifach haben. Soviel Esprit wäre von jedem Modellbahnhersteller wünschenswert, aber da können wir noch lange warten.
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14.05.2017, 20:51

Hänsu, nicht so extrem...

Bekanntlich bin ich (für mich) ein Antidigital-Mensch, mir gefällt das Digitale normalerweise einfach nicht an Modellbahnen. Und dennoch konnte ich nicht die Finger von der Maxima lassen und bin begeistert wie gut sie (auch im Analog-Modus) läuft und wie sie konstruiert ist :thumbsup: . Z.B. wurden u.a. die Drehgestelle sehr wirklichkeitsnahe realisiert. Auch hätte die SBB bestimmt nichts dagegen, wenn sie 1:1 welche hätten... und sei es auch nur, als Notfall-Lok für stecken gebliebene IC-Züge. Vermutlich ist einfach ihr Einsatzbedarf doch etwas zu gering, für das die SBB Finanzabteilung eine Anschaffung bewilligen würde.

Gruss
Hermann
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